Georgien – Kulturschatz zwischen den Fronten

Georgien, ein vermeintlich unscheinbares Land am Schwarzen Meer mit der vergleichbaren Größe von Bayern und aktuell circa 3,7 Millionen Einwohnern. Seit dem Ende der sowjetischen Besatzung im Jahr 1991 und der darauf folgenden Rosenrevolution erfährt es einen enormen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsschub. Annäherung an Europa zum einen, Abhängigkeit von Russland zum andern. Auch für die USA ist das Interesse an dem kleinen Staat im Kaukasus sehr hoch. Es geht um Exporte, Transportrouten aber vor allem um Militärstandorte. Bis heute sind russische Truppen in den Regionen Süd-Ossetien und Abchasien stationiert und halten Georgien in einer „kontrollierten Instabilität“.
Seit jeher wurde das Land von allen Seiten bedroht, eingenommen, zerstört und doch immer wieder aufgebaut. Durch alle diese Einflüsse, hat sich die georgische Kultur weiterentwickelt und ein ganz eigenes, facettenreiches Gesicht bekommen. Im vergangenen Winter hatte ich die Möglichkeit dieses besondere Land und dessen Kultur kennen zu lernen.

Tiflis, Georgien
Ein russischer Wolga M21 parkt selbstbewusst auf dem Gehweg vor einem Einkaufszentrum in der Hauptstadt Tiflis.
Tiflis, Georgien
Das Stadtbild von Tiflis zeigt sich modern. Eine Seilbahn führt von der Nariqala Festung hinunter Richtung Friedensbrücke und einem noch nicht fertiggestellten Röhrenbauwerk, dessen Verwendung noch immer nicht klar ist.
Tiflis, Georgien
Ein oft gemaltes Motiv der lokalen Straßenmaler in Tiflis: Historische Häuser stehen an der Steilklippe zur Mtkwari, dem größten Fluss des Kaukasus.
Tiflis, Georgien
Der Sage nach gibt es seit dem ersten Jahrhundert Schwefelbäder in Tiflis. Die Dächer der unterirdischen Bäder prägen das Bild dieses Stadtviertels und es riecht nach Schwefel.
Tiflis, Georgien
Die historische Altstadt von Tiflis mit ihren verwinkelten Gassen ist ein Abenteuer für sich. Leider zerfallen viele der Häuser, da meist nur das nötigste repariert wird.
Hochformat, Test
Der Sage nach gibt es seit dem ersten Jahrhundert Schwefelbäder in Tiflis. Die Dächer der unterirdischen Bäder prägen das Bild dieses Stadtviertels und es riecht nach Schwefel.
Tiflis, Georgien
Die Einflüsse verschiedenster Kulturen sind auch in der Architektur erkennbar. Wie lange noch, ist fraglich.
Tiflis, Georgien
Ein renovierter Teil der Altstadt mit Blick auf das Minarett der Jumah Moschee.
Tiflis, Georgien
Die Notfall Leitzentrale thront über den Dächern der Hauptstadt. Hier gehen seit 2012 alle Notrufe für Feuerwehr, Rettung und medizinische Hilfe ein. Zuvor gingen die Notrufe dezentral bei verschiedenen privaten Organisationen ein, was die Koordination erschwerte.
Tiflis, Georgien
Die Public Service Hall in Tiflis ist die Zentrale aller Verwaltungsgebäude in Georgien. Reisepassanträge, Grundbucheinträge oder Hochzeiten – alle Vorgänge sind computergestützt und funktionieren einwandfrei. Die durchschnittliche Wartedauer liegt bei nur fünf Minuten und ist somit kürzer als in den meisten Verwaltungen westlicher Staaten. Eine weitere Errungenschaft der Reformen unter Präsident Saakaschwili.
Tiflis, Georgien
Mehr als eine Millionen Einwohner zählt die Hautstadt Tiflis: Fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung Georgiens. Entfernt man sich von der Altstadt, sind zunehmend Wohnblocks und Hochhäuser zu sehen. Viele noch aus der Zeit der sowjetischen Besatzung.
Tiflis, Georgien
Ein Erbe des Kommunismus – ein sowjetischer Plattenbau am Bahnhofsplatz in Tiflis. Billiger Wohnraum und Gleichheit für alle. Allein der Anblick dieser trostlosen Architektur, die noch immer landesweit die Städte prägt, verursacht depressive Stimmung.

Osurgeti, Georgien
Die Endstation des sozialistischen Realismus in Osurgeti/Gurien. Die Büsten im Eingangsbereich des historischen Stadtmuseums stellen vermutlich Lokalpolitiker dar. Ob sie nun ins Museum kommen oder entfernt werden, ist unklar.

Tiflis, Georgien
Trödelladen in Tiflis: Nostalgische Artikel aus einer anderen Zeit.

Gori, Georgien
Josef Stalin wurde 1878 als Iosseb Bessarionis dse Dschughaschwili in der georgischen Stadt Gori geboren. Seit 1957 steht neben seinem Geburtshaus ein monumentales Museum in der sich auch eine der Totenmasken Stalins befindet. Noch heute kommen Geschenke zu Ehren Stalins aus China, Nord-Korea und Vietnam hier an. Regelmäßig legen Touristen vor dem Geburtshaus Blumen nieder – wie lange kann die Glorifizierung eines Mannes anhalten, der Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat?

Mzcheta, Georgien
Da die Religionsausübung in der Sowjetunion verboten war, hat man den Eindruck als wollten die Georgier die Zeit nachholen: Beinah auf jedem Berg steht eine Kirche. Selbst dort, wo noch ein freier Hügel zu finden ist, werden neue Pilgerstätten errichtet.

Tiflis, Georgien
Orthodoxe Christen beim rituellen Weihnachtsmarsch durch Tiflis. Ziel ist die neue Sameba Kirche. Im orthodoxen Christentum in Georgien gilt der julianische Kalender – nach unserer gregorianischen Zeitrechnung ist Weihnachten dort am 07. Januar.
Mzcheta, Georgien
Blick auf die ehemalige Hauptstadt Georgiens – Mzcheta. Sie soll mehr als 3000 Jahre alt sein und ist ein sehr wichtiger Teil der georgischen Kultur. Hier mündet der Aragwi-Fluss in den Mtkwari.
Mzcheta, Georgien
Die Svetitskhoveli Kathedrale in Mzcheta aus dem 11.Jahrhundert.
Achi, Georgien
Kühe in romantischer Tristesse bei Achi/Gurien.
Osurgeti, Georgien
Jenseits der Hauptstraßen nimmt die Schlaglochdichte rapide zu.
Likhauri, Georgien
Für eine Woche helfe ich in Likhauri/Gurien auf einer Haselnussplantage aus. Deutsch-Georgische Bekannte aus Deutschland betreiben hier eine ökologische Landwirtschaft. Da hier keine Herbizide zum Einsatz kommen, werden die Flächen mit dem Traktor gemulcht. An Stellen wo er nicht hinkommt, hilft nur die Motorsense – ein tagelanger Knochenjob im Kampf gegen das Unkraut. Der Ausblick auf den schneebedeckten kleinen Kaukasus und die gute Luft, machen die Arbeit jedoch zu einem Naturerlebnis.
Likhauri, Georgien
Feuer gegen Feuer. Brände von Nachbargrundstücken griffen bereits mehrmals auf die Plantage über und haben den Ertrag erheblich reduziert. Deswegen befreien wir die Zäune in mühsamster Handarbeit von den Gräsern und bilden somit eine Brandschutzzone.
Likhauri, Georgien
Neben den Feldarbeiten steht im Winter die Instandhaltung an. Gotcha, ein Mitarbeiter der Plantage verlängert die Deichsel eines Anhängers.
Osurgeti, Georgien
So stellt sich die Gemeinde Osurgeti eine Markthalle vor, in der alle Bürger ihre Lebensmittel unter hygienischen Bedingungen einkaufen können. In Wahrheit kann sich nur die Oberschicht leisten hier einzukaufen.
Osurgeti, Georgien
Der Markt unter freiem Himmel: So wird seit Jahrhunderten eingekauft. Die Preise stimmen und es gibt regionale Ware. Bei einem heißen Tee in der improvisierten Bude erfährt man immer den neusten Klatsch und Tratsch.
Uplistsikhe, Georgien
Eines der ältesten Siedlungsgebiete im Kaukasus in der Nähe von Gori. Schon in der Bronzezeit siedelten hier Menschen.
Uplistsikhe, Georgien
Die Höhlenstadt Uplistsikhe wurde im 6. Jahrhundert v. Chr. gegründet. Durch massive Festungsanlagen, hielt sie vielen Eroberungsversuchen stand. Erst den Mongolen gelang es im 13. Jahrhundert die Stadt einzunehmen.
Uplistsikhe, Georgien
Ein Traktor im Feld bei Uplistsikhe.
Batumi, Georgien
Ein Riesenrad steht neben dem Anbanis koschki (Alphabetic Tower) in Batumi. Georgien hat eine eigene Schrift. Dieser Turm präsentiert an seiner Fassade alle 33 Buchstaben des georgischen Alphabets – jeder ist 4m hoch.
Batumi, Georgien
Der Strand von Batumi. Das Stadtbild, gemischt aus historischen und futuristisch- modernen Gebäuden, ist einzigartig in Georgien. Es gibt Bauprojekte wo man nur hinsieht. Viele ausländische Unternehmen investieren in den Wirtschaftsstandort.
Georgische Heerstraße, Georgien
Straßenhunde auf der georgischen Heerstraße in Richtung russischer Grenze.
Kasbek, Georgien
Nach einem mehrstündigen Aufstieg von Stepansminda aus, erreiche ich das Plateau der Gergetier Dreifaltigkeitskirche. Bei -23°C wird diese Aufnahme sowohl für mich, als auch für meine Kamera zur Herausforderung – Nach dem Abstieg ist sie mit einer Eisschicht überzogen.
Stepansminda, Georgien
Sonnenaufgang in Stepansminda. Unterhalb des mächtigen Bergs Kasbek (5047m) steht die Gergetier Dreifaltigkeitskirche.
Georgische Heerstraße, Georgien
Die georgische Heerstraße ist eine Nord-Süd-Verbindung über den Kaukasus und verbindet Georgiens Hauptstadt mit Russland. Heute wird die Straße von zahlreichen Touristen und Pilgern genutzt, die nach Stepansminda oder in das Skigebiet Gudauri fahren.
Sighnaghi, Georgien
Wie das Motiv einer Schneekugel präsentiert sich Sighnaghi mit Blick über das Alazani-Tal auf das Kaukasus Gebirge. Im 19. Jahrhundert war die Stadt eines der wichtigsten Handelszentren Georgiens. Teile der erhaltenen Stadtmauer, Türme und die erstaunlich gut gepflegte Stadtkulisse lassen einen in vergangene Zeiten eintauchen. Die Region Kachetien ist bekannt für den Weinanbau, der hier vor über 8000 Jahren seine Ursprung hatte.
Sighnaghi, Georgien
Nachdem der Taxifahrer Giorgi meine Freunde und mich durch halb Kachetien kutschiert hat, lädt er uns zum Tagesabschluss in seinen Keller zur Weinprobe ein. Nahezu jede Familie hat Weinreben im Garten und produziert Wein für den Eigenbedarf. In diesem Fall schöpft uns Giorgi seinen feinen Tropfen mit einem Gurkenglas aus Regentonnen, in denen sich die vergorenen Trauben befinden. Die kleinen Gläschen werden traditionell mit großen Schlücken geleert und sind immer wieder schnell aufgefüllt. Gagimardschos!

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